Die Auflösung des Altersheims

 

Vougar Aslanov

DIE AUFLÖSUNG DES ALTERSHEIMS
Einakter

Personen:

Der Aktionär – Ein Rentner

Erste Aktionärin – eine Frau 50 Jahre alt

Zweite Aktionärin – eine Frau 45 Jahre alt

Der Stellvertreter des Vorsitzenden des Altersheims GmbH „Abendfrieden“.

Der Versammlungssaal des Altersheims der Aktiengesellschaft „Abendfrieden“. Ein Aktionär und zwei Aktionärinnen warten auf den Vorsitzenden der Gesellschaft Namens Herr Müller. Der Saal ist lange nicht renoviert, die Möbel – der Tisch, an dem die Aktionäre sitzen, und die Stühle – und die Vorhänge sind sehr alt und schmutzig. Im ganzen Saal fühlt man die abgestandene und sogar ein bisschen stickige Luft.

Zweite Aktionärin: Oh, wie stinkt es hier, man möchte sich die Nase zuhalten.

Der Aktionär: Ja, wirklich, was für eine schwere Luft hat man hier!

Erste Aktionärin: Aber bitte vergessen Sie nicht, dass Herr Müller in diesem Gebäude jahrelang arbeiten und das alles erdulden musste. „Die Auflösung des Altersheims“ weiterlesen

Entstehung der Demokratie

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Vougar Aslanov

DIE ENTSTEHUNG DER DEMOKRATIE

Einakter

Personen:

Der Intelligenzler

Der Graf

Der Baron

Die Fürstin

Der Bauer

Auf der Bühne stehen der Graf, der Baron und die Fürstin auf einer Seite, hinter dem Stehtisch; der Graf trinkt Wein aus einem großen Glas, der Baron trinkt Whisky aus der großen Flasche, raucht dabei noch Zigarre und die Fürstin trinkt Champagner aus dem Becher; sie trägt eine Pelzstola um ihrem Hals. Ihnen gegenüber, auf der anderen Seite um eine Ecke arbeitet der Bauer ohne Pause.

DER INTELLIGENZLER: (kommt mit einer Mappe in der Hand herein. Zum Publikum) Guten Abend, meine Damen und Herren, heute berichte ich ihnen über die Entstehung der wichtigsten Sache in unserem Leben – nämlich über die Entstehung der Demokratie. Was ist eigentlich Demokratie? Das kommt aus dem Griechischen „Demos“- das heißt Volk und „Kratia“ – Macht: Also mit Demokratie ist gemeint die Macht des Volkes oder die Volksherrschaft. Das bedeutet eine Macht, die vom Volk selbst, aber nicht (zeigt auf die Ecke, wo der Graf, der Baron und die Fürstin stehen) von seinen Ausbeutern ausgeübt wird. Also Demokratie ist die Macht des Volkes, der einfachen Menschen, aber auf keinen Fall der Reichen, der Aristokratie, die immer das Blut des Volkes aussaugten wie die Stechmücken. Ja, schlimm waren die früheren Zeiten: (zeigt auf den Bauer) Das Volk arbeitete Tag und Nacht; es musste die Reichen und Adligen mit seiner Arbeit ernähren und die nahmen ihm das Letzte ab. „Entstehung der Demokratie“ weiterlesen

Kampf der Kulturen

 

Vougar Aslanov

KAMPF DER KULTUREN

Einakter

Personen:

Paul – Ultranationalist, 48 Jahre alt

Ahed – ein in Deutschland geborener Araber und Besucher der Koran-Schule, 20 Jahre alt

Schakir – ein Tatare aus Russland, 47 Jahre alt

Helena – 45 Jahre alt

Bakamba – Afrikanerin, 70 Jahre alt

Joachim – katholischer Fahrer, 60 Jahre alt

Hermann – Buddhist, 55 Jahre alt

Erster Polizist, 50 Jahre alt

Zweiter Polizist, 35 Jahre alt

In Kursiv sind die Regieanweisungen sowie die Gedanken und innere Monologe der Personen

Hauptbahnhof in Frankfurt am Main. Es ist ein Uhr Nacht. Paul sitzt mit einem Becher Bier alleine im Pavillon für Weiterreisende und singt etwas in Jazz-Rhythmen.

PAUL: Wau… wau… ja – ouu… ouu…wau – wua.

Ahed kommt rein, sagt nichts und nimmt auf der anderen Seite von Paul Platz. Er ist religiös muslimisch angekleidet; hat einen langen schwarzen Bart, trägt ein Gewand und eine Mütze auf dem Kopf. Er holt ein Buch aus seiner Tasche und liest/singt halblaut: „Kampf der Kulturen“ weiterlesen

Der Großschamane

Vougar Aslanov

DER GROßSCHAMANE

Nach Motiven der alten Mythen aus Mesopotamien und Schamanen-Geschichten aus Sibirien

Personen:

Ensuh-Keschdanna – der Regent von Aratta1

Enmerkar – der Regent von Sumer

Großschamane – das Oberhaupt der alten Religion – des Schamanen-Kults in Aratta

Großpriester – das Oberhaupt des Inanna-Kults in Aratta

Großpriester von Sumer – das Oberhaupt der Religion in Sumer

Die junge Schamanin

Der alte Schamane

Der junge Schamane

Rehha – Anführerin der Aufständischen

Reschak – ein junger Mann, Anhänger des Inanna – Kults

Eschdana – eine junge Frau, Anhängerin des Schamanen-Kults

Rach, Mach, Kach – die Geister

Der Bote

Erster Krieger

Zweiter Krieger

Krieger, Hofleute, Anhänger des Schamanen-Kults, Anhänger des Inanna-Kults.

Erster Akt

1. Szene

Der Hof des Regenten Ensuh-Keshdanna in Aratta. Der Regent sitzt auf dem Thron und spricht mit seinem Staatsrat. Mehrere Hofleute, darunter der Großschamane und Großpriester stehen um ihn herum.

ENSUH-KESCHDANNA: Das Fest zur Ehre Inannas muss diesmal großartig sein: Wir müssen die Heilige Hand – unsere Göttin nicht mehr verärgern. Überall in Aratta müssen in ihrem Namen Tiere zum Opfer gebracht werden; die Menschen müssen so satt werden wie nie zuvor. Sie wird dann zufrieden sein (zum Großpriester). Ja du, möchtest du etwas zum Inanna-Fest sagen?

„Der Großschamane“ weiterlesen

Chosrou und Schirin

Vougar Aslanov

CHOSROU UND SCHIRIN

Nach den Motiven des gleichnamigen Poems von Nizami1

Personen:

Chosrou – Prinz, später auch Schah – Kaiser Irans der Sassaniden – Dynastie
Mariam – die erste Frau von Chosrou
Schiruja – sein Sohn von Mariam
Schapur – Hofmaler und Hofdichter Chosrous
Dscham – Hauptpriester der Zarathustra-Lehre
Mahin Banu – Königin von Kaukasus
Albania2
Schirin –  ihre Nichte, Prinzessin, später auch Königin von Kaukasus
Albania
Nakisa – die Fürstentochter und Freundin von Schirin
Waras – Hauptpriester von Kaukasus Albania
Maurikios –  früherer Kaiser von Byzanz
Pfackos – späterer Kaiser von Byzanz
Grigorios – Hauptpriester von Byzanz
Far-Hat Sin – freier Maler und Architekt aus China
Sirwan – Anführer der Masdakiden
Barbäd – Hofmusiker Chosrous
Basirgümid – ein Weiser, der später als Hofminister bei Chosrou dient.
Die Alte
Hofleute, Henker, Bewaffnete, Menschenmasse, Diener und Dienerinnen.

                                                            Vorspiel

Goethe und Schiller in Weimar.

GOETHE3: Friedrich, mein Freund, ich habe wieder einen großen Dichter entdeckt: Nisami! Er lebte im 12. Jahrhundert und kam aus der Stadt Gendsche4. Ein zarter, hochbegabter Geist, der… nunmehr die lieblichsten Wechselwirkungen innigster Liebe zum Stoff seiner Gedichte wählt. Medschnun und Leila, Chosrou und Schirin, Liebespaare, führt er vor; durch Ahnung, Geschick, Natur, Gewohnheit, Neigung, Leidenschaft füreinander bestimmt, sich entschieden gewogen; dann aber durch Grille, Eigensinn, Zufall, Nötigung und Zwang getrennt, ebenso wunderlich wieder zusammengeführt und am Ende doch wieder auf eine oder die andere Weise weggerissen und geschieden. Aus diesen Stoffen und ihrer Behandlung erwächst die Erregung einer ideellen Sehnsucht. Befriedigung finden wir nirgends. Die Anmut ist groß, die Mannigfaltigkeit unendlich. Auch in seinen andern, unmittelbar moralischem Zweck gewidmeten Gedichten atmet gleiche liebenswürdige Klarheit. Was auch dem Menschen Zweideutiges begegnen mag, führt er jederzeit wieder ans Praktische heran und findet in einem sittlichen Tun allen Rätseln die beste Auflösung. Übrigens führt er, seinem ruhigen Geschäft gemäß, ein ruhiges Leben unter den Seldschugiden und wurde in seiner Vaterstadt Gendsche begraben. Daher heißt er Nisami Gendschewi. „Chosrou und Schirin“ weiterlesen